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Bastelbücher Grafikdesign
Stephanie Göhr Grafikdesignerin & Bastelbuchautorin
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Artikel vom 21.04.2012 © Eßlinger Zeitung
.... Einkaufstasche, Kuscheldecke, Windlicht, Kissen und Brotkorb aus
Granny Squares hat Stephanie Göhr extra fürs Foto aus dem Keller
geholt. In ihrem Wohnzimmer finden sich normalerweise kaum Spuren
ihrer Häkelleidenschaft. Einkaufstasche, Kuscheldecke, Windlicht,
Kissen und Brotkorb aus Granny Squares hat Stephanie Göhr extra fürs
Foto aus dem Keller geholt. In ihrem Wohnzimmer finden sich normaler-
weise kaum Spuren ihrer Häkelleidenschaft.
Von Doris Brändle
Die Häkelquadrate sind wieder da. Und auch wenn sie jetzt unter dem
Namen Granny Squares (Omaquadrate) daherkommen, kann das nicht
darüber hinwegtäuschen, dass es sich um eben jene Machwerke handelt,
mit denen in den 70er-Jahren alles umhäkelt wurde, was nicht bei drei auf
den Bäumen war: vom Kissen über die Klorolle bis zu den eigenen Kindern,
die in Westen, Mützen und Schals aus zusammengenähten Wollquadraten
verpackt wurden. Die amerikanische Handarbeits-Bestseller-Autorin Debbie
Stoller mutmaßt sogar, dass es vor 30, 40 Jahren irgendwo da draußen
Kinder gab, die in Unterwäsche aus Granny-Squares zur Schule gehen
mussten. Während sie jahrzehntelang als altbacken verschrien waren,
finden sie sich jetzt, in neuen Motiven und Farben, sogar in modernen
Einrichtungskollektionen wieder. Auch Modedesigner haben das Granny“
wiederentdeckt: Charlene von Monaco zeigte sich kürzlich im bodenlangen
Häkelkleid.
Süchtig
Der Trend hat seinen Ursprung wie schon in den 70ern in den USA. Die
Esslingerin Stephanie Göhr hat ihn früh erkannt. Sie hat den Grannys
ein ganzes Buch gewidmet - das erste auf Deutsch. Es ist 2011 erschienen, Alte Handarbeitstechnik im neuen Gewand: Den Tassenwärmer hat
hat aber bereits mehrere Auflagen erlebt.Handarbeiten erfährt seit drei bis Stephanie Göhr aus drei Quadraten zusammengenäht.
vier Jahren einen Boom“, sagt Stephanie Göhr. Die 47-Jährige hat selbst Fotos: Bulgrin
erst vor drei Jahren ihre verschütteten Häkelkenntnisse aus der Grundschule
ausgegraben und im Internet nachgelesen, was es mit Kettmaschen und Stäbchen auf sich hat. Sie ist im Bastelladen ihrer Mutter in Dettenhausen bei Tübingen aufgewachsen und veröffentlicht seit 20 Jahren Bastelbücher zu allen erdenklichen Themen wie Window Colours, Ostereier, Adventskränze, Schmuck oder Papierflieger. So sehr wie das Häkeln habe sie aber nur selten eine Technik gefesselt, sagt die Grafik-Designerin. Das macht süchtig, man kann nicht aufhören, weil man immer wieder was Neues draus machen kann.“ Auch in Internet-Blogs zum Thema Granny Squares und in den Leser-Rezensionen zu ihrem Buch taucht immer wieder das Wort süchtig“ auf.
Was macht den Reiz der Häkelquadrate aus? Warum hängen so viele junge Frauen plötzlich an der Nadel? Gerade wenn man am Beginn seiner Handarbeits-Karriere steht, braucht man schnelle Erfolgserlebnisse. Und so ein Granny ist, je nach Motiv und Übung, in 30 bis 45 Minuten fertig“, sagt Göhr. Auch ihre zehnjährige Tochter Julie konnte sie - im Gegensatz zu ihrem Sohn - fürs Häkeln begeistern. Sie hat kürzlich ein Kleid für ihre Barbie aus Grannys gemacht.
Die Braun- und Saharabeige-Töne der 70er und 80er Jahre sind verschwunden. Die klassischen Motive, bei denen meist drei Stäbchen in einen Zwischen-raum gehäkelt wurden, hat Stephanie Göhr weiterentwickelt.
Stäbchen und Luftmaschen
Primel, Margerite, Seestern oder Schneeflocke nennt sie ihre neuen Motive. Gemeinsam ist allen, dass sie vom Zentrum in Runden nach außen gearbeitet werden und im Wesentlichen aus Stäbchen und Luftmaschen bestehen. Stephanie Göhr und ihre zwei Co-Autorinnen haben sich allerhand Beispiele ausgedacht, was man mit den kleinen Quadraten anfangen kann: von der Einkaufstasche übers Brillenetui, den Brotkorb, die Beanie-Mütze bis hin zum Tassenwärmer. Ob man die Häkelquadrate wirklich in jedem Lebensbereich haben will, ist aber auch nach Stephanie Göhrs Meinung Geschmackssache. Eine Buchrezensentin im Internet schreibt: Beispielsweise würde ich mir keine Puschen aus Granny Squares anziehen und auch meine Badehandtücher werden in Zukunft frei von Granny-Applikationen bleiben.“
In den USA ist der Granny-Square-Boom älter und heftiger, entsprechend viele Bücher und Blogs gibt es dazu. Trotzdem könne man die amerikanischen Vorlagen nicht einfach übernehmen, sagt Göhr. Die treffen den deutschen Geschmack nicht, sie sind zu bunt und überladen.“
Bis ein neues Motiv entworfen, gehäkelt, in Häkelschrift übersetzt und mit einer Anleitung versehen ist, vergeht bei Stephanie Göhr ganz schnell mal eine Woche. Natürlich schlage auch bei ihr ein neu entworfenes Quadrat mal Wellen oder gerate außer Form. Dann ziehe ich es halt wieder auf und versuche es anders.“ Genau das macht für sie auch den Reiz aus. Ich will immer etwas Neues entwerfen.“ Die Vorstellung, eine große Decke aus lauter gleichen Grannys zu häkeln, ist ihr ein Graus.
Wer sich in Stephanie Göhrs Wohnzimmer umschaut, ist erstaunt: Man entdeckt kaum Spuren ihrer Häkelleidenschaft. Nur ihr Handytäschchen ist aus Granny-Squares. Ich lebe nicht in einer Häkelwelt“, sagt sie.
Stephanie Göhr, Melanie Sturm, Barbara Wilder: Häkelideen mit Granny Squares. Quadratisch, kultig, kreativ. Frech-Verlag, 12,99 Euro.
Anleitungen für Granny Squares gibt es auch zum Beispiel auf dawanda.de.
Artikel vom 21.04.2012 © Eßlinger Zeitung
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